Ob ERP-Transformation, Smart-Meter-Rollout, KI-Einsatz oder Plattformstrategien – der Digitalisierungs-Ticker der ZFK bündelt kompakt die relevanten Digitalisierungsentwicklungen in der Energiebranche. Wir berichten hier über neue Projekte, technische Meilensteine, Partnerschaften und regulatorische Weichenstellungen. Der Fokus liegt auf praxisnahen Lösungen, die zeigen, wie Stadtwerke, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber die digitale Transformation konkret umsetzen können.
Sie haben Informationen oder Anmerkungen, die Sie teilen möchten? Dann wenden Sie sich gern an die ZFK-Redaktion.
22. Oktober 2026
Smart-Meter: Eingebaut, aber monatelang nicht nutzbar
Jeder sechste Haushalt mit eingebautem Smart-Meter kann seinen digitalen Stromzähler noch nicht nutzen. Das zeigt eine Onlinebefragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (Vzbv) unter 937 Haushalten, die im Juli 2026 durchgeführt wurde.
Ein intelligentes Messsystem ist erst dann voll nutzbar, wenn es Verbrauchsdaten in 15-Minuten-Intervallen automatisch an Netzbetreiber und Stromversorger übermittelt. Erst dann können Kundinnen und Kunden dynamische Stromtarife nutzen.
Knapp drei von zehn Haushalten, die ihren Smart-Meter inzwischen nutzen können, warteten länger als vier Monate auf die Inbetriebnahme. 13 Prozent mussten sogar länger als zwölf Monate warten. In dieser Zeit können die Betroffenen keine günstigeren Tarife nutzen.
"Ein noch schnellerer Einbau von Smart-Metern allein löst keine Probleme. Entscheidend ist, dass die Technik funktioniert", sagt Henning Herbst, Energieexperte beim Vzbv. Der Verband fordert deshalb einen pauschalen Schadensersatz für Haushalte, deren Smart-Meter nach dem Einbau nicht oder nur eingeschränkt nutzbar ist. Die Forderung dürfte die Branche beschäftigen.
22. Oktober 2026
Meterpan migriert Rewag-Messsysteme in fünf Tagen
Der Messstellenbetreiber-Dienstleister Meterpan hat die Gateway-Administration für die Regensburger Energie- und Wasserversorgung (Rewag) übernommen. Innerhalb von fünf Werktagen wurden mehrere Tausend intelligente Messsysteme vom bisherigen Dienstleister auf die Plattform von Meterpan übertragen. Die technische Umsetzungsquote lag nach Unternehmensangaben bei 99,8 Prozent.
Die Migration war Teil eines im Frühjahr 2026 beauftragten Projekts, das auch die Integration der Metering-Plattform in SAP S/4HANA umfasste. Die Umstellung erfolgte bei laufendem Betrieb. Nach Angaben der Unternehmen konnten Unterbrechungen der Messwertversorgung und des Tagesgeschäfts vermieden werden.
"Ein Systemwechsel dieser Größenordnung bei laufendem Betrieb ist eine Operation am offenen Herzen“, erklärt Rewag-Vorstandsvorsitzender Robert Greb. Entscheidend sei gewesen, die Rollout-Fristen ohne Beeinträchtigungen für die Kunden einzuhalten.
Neben der Gateway-Administration wurden auch die Prozesse für externe Marktteilnehmer in den Regelbetrieb überführt und ein Smart-Meter-Portal bereitgestellt. Der Rollout intelligenter Messsysteme läuft auf der neuen Plattform weiter. Die technische Infrastruktur soll künftig auch das Management steuerbarer Verbrauchseinrichtungen über die Smart-Meter-Infrastruktur unterstützen. Damit will die Rewag die Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des Mess- und Steuerungsrollouts schaffen.
13. Oktober 2026
Voltaris testet vollständige CLS-Steuerbefehlskette
Voltaris hat gemeinsam mit der Energis-Netzgesellschaft die vollständige Steuerbefehlskette nach § 14a EnWG getestet. Dabei wurden Steuerbefehle aus einem Netzleitsystem über die Smart-Meter-Infrastruktur bis zur Steuerbox übertragen und deren Ausführung anschließend bestätigt. Der Test soll die Grundlage für den Steuerrollout bei den Stadtwerke-Partnern von Voltaris schaffen.
Die Steuerbefehle werden im Niederspannungs-Netzcockpit von Envelio ausgelöst, das Energis einsetzt. Das System für aktive externe Marktteilnehmer (aEMT) von Voltaris empfängt und verarbeitet die Signale und leitet sie an die Steuerbox weiter. Diese quittiert die Befehle und meldet deren Ausführung zurück.
"Wir sind nun in der Lage, den Steuerprozess über unsere gesicherte Smart Meter Infrastruktur vollständig abzuwickeln, vom Netzcockpit bis zur angebundenen Steuerbox", erklärt Jonas Haffner, Projektleiter im MSB-Management bei Voltaris.
Die eingesetzte aEMT-Lösung basiert demnach auf Software von Robotron und verbindet die Gateway-Administration mit den Prozessen aktiver und passiver externer Marktteilnehmer. Voltaris nutzt derzeit Steuerboxen von zwei Herstellern und prüft die Anbindung weiterer Geräte.
In den kommenden Wochen sollen zusätzliche CLS-Projekte innerhalb der Voltaris-Anwendergemeinschaft Messsystem starten. Ihr gehören nach Unternehmensangaben rund 50 Stadtwerke und Netzbetreiber an.
13. Oktober
Beegy integriert Direktvermarktung in Energiemanagementsystem
Die MVV-Tochter Beegy erweitert ihr Heim-Energiemanagementsystem (HEMS) um eine automatisierte Anbindung an die Direktvermarktung von Solarstrom. Stadtwerke und Energieversorger sollen die Lösung ab Januar 2027 als White-Label-Produkt unter eigenem Namen anbieten können.
Hintergrund ist die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Diese sieht vor, neue Photovoltaikanlagen künftig grundsätzlich in die Direktvermarktung einzubeziehen und die Einspeiseleistung kleiner und mittlerer Dachanlagen auf 50 Prozent der installierten Leistung zu begrenzen.
Das HEMS steuert Batteriespeicher, Wallboxen und Wärmepumpen abhängig von Stromerzeugung, Verbrauch und Börsenpreisen. Bei hoher Solarstromproduktion soll es den Eigenverbrauch erhöhen oder Energie zwischenspeichern. Bei hohen Börsenpreisen kann Strom aus Photovoltaikanlagen und Speichern vermarktet werden. Grundlage sind unter anderem Prognosen sowie Preisdaten der Strombörse Epex Spot.
Steuerbefehle nach § 14a EnWG und § 9 EEG empfängt das System über die Steuerbox am Smart-Meter-Gateway. Beegy bietet Energieversorgern neben dem HEMS auch Unterstützung bei Vertrieb, Installation und Betrieb an.
13. Oktober 2026
Vivavis und Telemaxx kooperieren bei OT-Betrieb
Vivavis und Telemaxx haben eine Partnerschaft für den Betrieb kritischer Anwendungen der Energiewirtschaft geschlossen. Der Karlsruher Rechenzentrumsbetreiber stellt künftig die Cloud-Infrastruktur und Netzanbindung für die Betriebsplattform V-Stack von Vivavis bereit. Die Zusammenarbeit wurde am 7. Oktober vereinbart.
V-Stack richtet sich an Energieversorger und Betreiber kritischer Infrastrukturen, die ihre operativen Technologiesysteme (OT) zentral betreiben lassen wollen. Die Plattform bündelt unter anderem Netzwerk, Zugriffsverwaltung, Monitoring und Sicherheitsdienste. Vivavis übernimmt den Plattformbetrieb sowie das Sicherheits- und Servicemanagement.
Telemaxx stellt dafür seine auf OpenStack basierende Cloud sowie Rechenzentren in Deutschland bereit. Die Anwendungen sollen redundant über drei Standorte betrieben werden, sodass der Betrieb auch beim Ausfall eines Rechenzentrums fortgesetzt werden kann. Nach Unternehmensangaben kommt die Infrastruktur ohne internationale Hyperscaler aus.
Als erste Anwendung läuft die Smart Grid Operation Platform (SGOP) für den Betrieb von Niederspannungsnetzen auf V-Stack. Weitere Anwendungen für Netzbetrieb, Messwesen und Wasserwirtschaft sollen folgen.
Mit der Kooperation reagieren die Unternehmen auf steigende Anforderungen an die IT-Sicherheit, insbesondere durch NIS2. Telemaxx betreibt vier eigene Rechenzentren und ein rund 2400 Kilometer langes Glasfasernetz. Zu den Gesellschaftern gehören acht kommunale Stadtwerke und die Stadt Stutensee.
6. Oktober 2026
Deutsches KI-Modell kommt auf den Markt: Was Kolibri kann
Das Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha hat sein Sprachmodell Kolibri am 3. Oktober veröffentlicht. Das Modell richtet sich nach Unternehmensangaben an öffentliche Verwaltungen und Industrie und ist für den Betrieb auf einer Infrastruktur ausgelegt, die Kunden selbst kontrollieren.
Kolibri verarbeitet Deutsch und Englisch. Es verfügt über 78 Milliarden Parameter, aktiviert bei der Verarbeitung eines Tokens aber laut Aleph Alpha jeweils rund drei Milliarden. Möglich macht das eine sogenannte Mixture-of-Experts-Architektur, die gezielt Teile des Modells nutzt. Rund 23 Prozent der Trainingsdaten für das Vortraining seien deutschsprachige Texte gewesen; auch der sogenannte Tokenizer, der Texte in Verarbeitungseinheiten zerlegt, sei auf Deutsch optimiert.
Für Anwendungen mit Dokumenten unterstützt Kolibri Retrieval-Augmented Generation (RAG). Dabei greift das Modell auf bereitgestellte Texte zurück. Aleph Alpha zufolge soll es keine Antwort geben, wenn diese Dokumente keine ausreichenden Belege enthalten. Das Modell unterstützt außerdem Arbeitsabläufe mit KI-Agenten und die Anbindung von Werkzeugen. Nutzer können laut Unternehmen zwischen höherem Schlussfolgerungsaufwand und schnellerer Antwort wählen.
In einem technischen Bericht beschreibt Aleph Alpha Maßnahmen zu Urheberrecht und Datenschutz sowie die Prüfung von Trainingsdaten. Nach Angaben des Unternehmens wurden die Daten mit einer Sperrliste von mehr als 4,5 Millionen Internetadressen abgeglichen. Datensätze von Drittanbietern habe Aleph Alpha vor der Nutzung auf Lizenzbedingungen, rechtmäßige Beschaffung und Widersprüche gegen eine Nutzung geprüft. Die Angaben stammen vom Unternehmen; eine unabhängige Prüfung geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Aleph Alpha hat zudem eine Vereinbarung mit Cohere zum Aufbau eines transatlantischen Unternehmens für souveräne KI bekannt gegeben. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Bis zum Abschluss soll Aleph Alpha unabhängig weiterarbeiten. Modell und Dokumentation stehen auf Hugging Face bereit.
29. September 2026
Metrify standardisiert Kopplung von HEMS und Steuerbox
Metrify hat mit mehreren Anbietern von Home-Energy-Management-Systemen (HEMS) einen standardisierten Prozess für die Kopplung steuerbarer Anlagen mit der Smart-Meter-Infrastruktur entwickelt. Beteiligt sind Consolinno, Enpal, GridX, Kiwigrid, Solar Manager, Viessmann und Clever-PV sowie Spine mit dem lokalen Energie-Gateway EnergyLink One.
Die Partner nutzen den Kommunikationsstandard EEBUS, um HEMS beziehungsweise Energie-Gateways mit der Steuerungseinrichtung des Messstellenbetreibers zu verbinden. Unterstützt werden die Anwendungsfälle "Limitation of Power Consumption" (LPC) für § 14a EnWG und "Limitation of Power Production" (LPP) für § 9 EEG. Nach Angaben von Metrify lassen sich über die beteiligten Systeme bereits mehr als 1.000 Modellreihen von Wärmepumpen, Wallboxen, Speichern und Wechselrichtern anbinden.
Für jede Gerätekombination sieht der Prozess zunächst einen Labor- und anschließend einen Feldtest vor. Erst danach erfolgt die Freigabe für den Rollout. Dabei wird unter anderem geprüft, ob die für das Pairing erforderlichen Gerätekennungen und Anlagendaten zuverlässig zwischen HEMS, Steuerungseinrichtung und Smart-Meter-Gateway übertragen werden.
Metrify hat nach eigenen Angaben bereits rund 30.000 CLS-Steuereinheiten installiert. Künftig sollen diese bei neuen Anlagen im Rahmen der Kooperationen standardmäßig mit ausgerollt werden. Als nächsten Schritt arbeiten die Partner an einem herstellerübergreifenden digitalen Steuerungsnachweis und einer weiteren Automatisierung des Pairings.
29. September 2026
Viessmann beteiligt sich an Netzsoftware-Anbieter Venios
Die Viessmann Generations Group (VGG) hat eine Minderheitsbeteiligung an Venios erworben. Gemeinsam wollen die Unternehmen die Softwareplattform Venios.NET weiterentwickeln. Venios entwickelt Lösungen für die Digitalisierung und Automatisierung von Verteilnetzen und wird nach eigenen Angaben von mehr als 100 Verteilnetzbetreibern genutzt.
Venios.NET führt Messwerte, Zählerstände sowie Netz- und Stammdaten aus unterschiedlichen Systemen in einem digitalen Netzmodell zusammen. Abgebildet werden Netze von der Nieder- bis zur Mittelspannung. Die Software ermöglicht unter anderem die Echtzeitüberwachung, Prognosen und Simulationen sowie das Management von Netzengpässen. Netzbetreiber sollen damit auch Netzbereiche überwachen können, für die bislang nur wenige Messdaten vorliegen.
Für Viessmann ergänzt die Beteiligung das Geschäft mit Netzinfrastruktur. Die Unternehmensgruppe hatte 2024 bereits Gritec übernommen. Das Unternehmen bietet unter anderem Trafostationen, Technikgebäude und Dienstleistungen für Energieinfrastrukturen an. Künftig sollen die Hardware von Gritec und die Netzsoftware von Venios stärker miteinander verbunden werden.
Venios wurde 2012 gegründet. Viessmann will mit der Beteiligung insbesondere sein Geschäft rund um die Digitalisierung und den Betrieb von Verteilnetzen ausbauen.
14. September 2026
PPC schließt erste EEBUS-Zertifizierung ab
Power Plus Communications (PPC) aus Mannheim hat als erster Anbieter das neue formale Zertifizierungsverfahren für EEBUS erfolgreich abgeschlossen. Das teilte das auf Smart-Meter-Gateways und Kommunikationstechnik spezialisierte Unternehmen am 14. September 2026 mit. Zertifiziert wurde die CLS‑Adaptersteuerung 2.0 mit der Firmware-Version 3.0.0.
EEBUS ist eine gemeinsame digitale Sprache für energierelevante Geräte und Systeme. Der Standard legt fest, welche Informationen Geräte austauschen, wie sie diese strukturieren und welche Funktionen daraus entstehen. So können etwa eine Wallbox, eine Wärmepumpe, ein Heimspeicher und ein Energiemanagementsystem verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren, ohne dass für jede Kombination eigene Schnittstellen nötig sind.
Für die Energiewirtschaft ist das vor allem mit Blick auf die Steuerung nach § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) relevant. Im Engpassfall müssen Netzbetreiber steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen oder Wärmepumpen herstellerübergreifend ansprechen können. EEBUS kann dafür die standardisierte Kommunikation auf der Geräteseite ermöglichen. Der Standard ist zudem für das Laden von Elektrofahrzeugen sowie die Abstimmung von Photovoltaikanlagen, Speichern und Verbrauchern vorgesehen.
Die neue Zertifizierung gibt es seit Juli 2026. Anders als bei bisherigen Pilotqualifizierungen wird nicht nur ein einzelner Anwendungsfall geprüft. Die Prüfung umfasst die Kommunikationskette, darunter SHIP für die sichere Verbindung, SPINE als Datenmodell, das automatisierte Pairing sowie LPC (Limitation of Power Consumption) für § 14a EnWG und LPP (Limitation of Power Production) für § 9 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die Prüfung erfolgte im EEBUS Living Lab Cologne. Ausgestellt wird das Zertifikat von der EEBUS-Service-GmbH.
Damit gibt es erstmals einen standardisierten Nachweis, dass ein Produkt im zertifizierten Umfang mit anderen EEBUS-zertifizierten Geräten zusammenarbeitet. PPC kündigte weitere Zertifizierungen an.
11. September 2026
Kraftwerk-Software bündelt drei Gesellschaften
Die Kraftwerk-Software-Gruppe führt die bisherigen Unternehmen Eins+null, IS-Software und MSU Solutions in der neuen "kraftwerk Software Systems GmbH" zusammen. Mit der Verschmelzung sollen Leistungen künftig aus einer Gesellschaft heraus angeboten und bisherige Unterauftragsstrukturen innerhalb der Gruppe reduziert werden. Sitz der neuen Gesellschaft ist Halle (Saale); die bisherigen Standorte von Eins+null und IS-Software in Regensburg bleiben als Niederlassungen bestehen.
Die Geschäftsführung übernimmt Andreas Weber. "Als Kraftwerk-Software-Systems-GmbH können wir ein breiteres Leistungsspektrum aus einer Hand anbieten, ohne Unterauftragsstrukturen und ohne die Komplexität mehrerer Gesellschaften", sagt Weber. Für Kunden und Partner sollen bestehende Verträge, Konditionen und Ansprechpartner unverändert bleiben.
Auch die bisherigen Produktmarken werden weitergeführt. Dazu gehören MSU, WinEV, Joules und M8mit für den Bereich Elektromobilität. Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt die Kraftwerk-Gruppe mehr als 400 Mitarbeitende an acht Standorten und betreut über 700 Kunden aus der Energie-, Wasser- und Elektromobilitätswirtschaft.
Zentraler Bestandteil des Angebots bleibt die auf "Microsoft Dynamics 365 Business Central" basierende "kraftwerk.Plattform". Sie bündelt unter anderem Finanzmanagement, Verbrauchs- und Vertragsabrechnung, Zeitreihenmanagement sowie Kunden-, Vertriebs- und Netzprozesse auf einer gemeinsamen Datenbasis. Ergänzend bietet die Gruppe Business-Process-Outsourcing für Prozesse wie Abrechnung, Marktkommunikation sowie Kunden- und Backoffice-Services an.
7. September 2026
Thüga Smartservice bietet eigene KI-Plattform
Thüga Smartservice (TSG) bringt mit SKIP eine eigene KI-Plattform für Stadtwerke und Energieversorger auf den Markt. Die Lösung wird vollständig in deutschen Rechenzentren betrieben und soll Unternehmen ermöglichen, KI-Agenten in bestehende Prozesse und Systeme einzubinden, ohne sich an das Ökosystem eines einzelnen Technologieanbieters zu binden. Entwicklungspartner ist das Münchner Unternehmen Know-way.
Die Plattform unterscheidet drei Arten von Agenten: Wissensagenten erschließen internes Unternehmens- und Branchenwissen und stellen Informationen mit Quellenangaben bereit. Prozessagenten können Dokumente, Verträge, Angebote oder Anträge bearbeiten und beispielsweise Angebote mit Rahmenverträgen abgleichen. Eine dritte Stufe greift mit entsprechenden Nutzerberechtigungen direkt auf bestehende Business-Applikationen zu und führt dort Prozessschritte aus.
"Wir wollen Stadtwerken die Produktivität von KI zugänglich machen, ohne dass sie dafür ihre Souveränität aufgeben müssen", sagt Alexander Haßdenteufel, Geschäftsführer von Thüga Smartservice. Unternehmen behielten die Kontrolle über Daten, Wissen und Agenten; zugleich könnten unterschiedliche KI-Modelle flexibel angebunden werden.
Für Stadtwerke adressiert TSG damit eine zentrale Frage beim produktiven KI-Einsatz: Wie lassen sich generative KI und agentische Systeme in operative Abläufe integrieren, ohne sensible Unternehmensdaten und Prozesse vollständig an externe Plattformanbieter auszulagern? SKIP soll künftig gemeinsam mit Anwendern um weitere energiewirtschaftliche Agenten und Anwendungsfälle ergänzt werden.
21. August 2026
Smart-Meter: Breitband-Powerline öffnet sich für mehrere Anbieter
Der Münchener Systemanbieter EFR und das kanadische Breitbandunternehmen Corinex haben nach eigenen Angaben einen Meilenstein für die Interoperabilität ihrer Breitband-Powerline-Systeme (BPL) erreicht. Die beiden Unternehmen arbeiten mit dem Übertragungsstandard G.hn und haben sich nach sechs Monaten gemeinsamer Entwicklungsarbeit auf technische Spezifikationen für die Kommunikation ihrer Komponenten verständigt. Damit sollen Modems und Smart-Meter-Gateways über die Infrastruktur beider Anbieter kommunizieren können.
Die technische Validierung sei abgeschlossen, teilten EFR und Corinex mit. Die Umsetzung der vereinbarten Lösung stehe noch aus. Im ersten Schritt geht es um die Anbindung von Smart-Meter-Gateways verschiedener Hersteller über 1T-Module. Die Bezeichnung 1T beschreibt dabei die funktionale Schnittstelle zur Anbindung eines Gateways an ein BPL-Netz und nicht die physische Breite des Moduls. Die zentrale BPL-Netzinfrastruktur mit Headends und Repeatern soll zu einem späteren Zeitpunkt interoperabel werden.
Die Zusammenarbeit adressiert damit eine bislang bestehende Einschränkung im G.hn-Ökosystem: Die BPL-Lösungen von EFR und Corinex waren nicht ohne Weiteres miteinander nutzbar. Für Verteilnetzbetreiber und Messstellenbetreiber könnte die technische Öffnung die Auswahl zwischen mehreren Anbietern erleichtern. Zugleich würde die Abhängigkeit von einer einzelnen Systemlösung sinken. Das ist vor allem für den großflächigen Smart-Meter-Rollout relevant, bei dem Kommunikationsinfrastrukturen langfristig geplant und betrieben werden.
"Netzkritische Infrastruktur von mindestens zwei interoperablen Anbietern beziehen zu können, ist für Kunden entscheidend", wird Peter Sobotka, CEO von Corinex, in einer Presseaussendung zitiert. EFR-Geschäftsführer Martin Eibl weist zudem auf die Bedeutung offener Kommunikationsinfrastrukturen für Niederspannungsnetze. Die Entwicklungs- und Produktteams beider Unternehmen hatten sich im August 2026 in Vancouver zur abschließenden Validierung und zur Abstimmung der weiteren Umsetzung getroffen.
17. August 2026
Thüga Smartservice startet Sterungsrollout
Thüga Smartservice (TSG) hat die ersten fünf Messstellenbetreiber mit seinem CLS-Management in den Produktivbetrieb gebracht. Bis Ende August sollen zehn Kunden live sein, bis zum Jahresende insgesamt 40. Zu den ersten Anwendern gehören Stadtwerke Jena Netze, Energieversorgung Selb-Marktredwitz, Stadtwerke Bad Säckingen, Stadtwerke Waldshut-Tiengen und BS Energy in Braunschweig.
Technische Grundlage ist ein im Frühjahr 2026 erreichter "Durchstich": Dabei konnte TSG Steuerbefehle aus einem Niederspannungscockpit über das CLS-Management erfolgreich an eine Steuerbox im Feld übertragen. Eine wesentliche Herausforderung sei dabei das Zusammenspiel unterschiedlicher Umsysteme und Hardware-Komponenten gewesen, erklärt Peter Wurzer, Produktmanager CLS bei TSG.
Noch nicht überall reibungslos funktioniert dagegen die Anbindung an Verbrauchsabrechnungssysteme. "Hier hinkt der Markt hinter den Entwicklungen im CLS-Management deutlich hinterher und eine Anbindung ist leider im Moment oftmals noch sehr schwierig", sagt Michael Hölzl, Director Energy Solutions bei TSG. .
Für den weiteren Rollout setzt TSG auf die Systemlandschaft von Robotron, auf der auch die Gateway-Administration des Dienstleisters läuft. Dadurch sollen zusätzliche Schnittstellen vermieden werden. Nach fünf weiteren Produktivsetzungen bis Ende August plant TSG, bis Jahresende 30 weitere Messstellenbetreiber live zu schalten. Für Stadtwerke zeigt der Rollout damit zugleich, wo die nächste Hürde beim Hochlauf der Steuerung liegt: weniger bei der grundsätzlichen CLS-Technik als bei der Integration in bestehende Backend-Systeme.
30. Juli 2026
Kartellamt stellt SAP-Vorermittlungen ein
Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP abgeschlossen und wird derzeit kein Missbrauchsverfahren einleiten. Anlass der Prüfung waren Beschwerden mehrerer Softwareunternehmen, darunter Celonis. Sie hatten dem Softwarekonzern vorgeworfen, den Zugang zu Daten aus seinen ERP-Systemen für Kunden und Drittanbieter zu erschweren und dadurch eigene Lösungen, insbesondere die Process-Mining-Software Signavio, zu begünstigen. Nach Angaben der Behörde haben sich diese Vorwürfe bislang nicht erhärtet.
Die Ermittlungen haben laut Bundeskartellamt ergeben, dass die Extraktion großer Datenmengen aus SAP-Systemen technisch anspruchsvoll sei, derzeit jedoch verschiedene zulässige und praktikable Möglichkeiten dafür bestehen. Auch die im Frühjahr veröffentlichte SAP-API-Policy führe nach dem aktuellen Erkenntnisstand nicht dazu, dass bislang zulässige Formen der Datenextraktion entfallen. Hinweise darauf, dass SAP Signavio kostenlos oder faktisch ohne zusätzliche Kosten anbietet, um Wettbewerber zu verdrängen, fand das Bundeskartellamt ebenfalls nicht.
Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte zugleich, Unternehmen müssten ihre eigenen Daten grundsätzlich auch in Anwendungen anderer Anbieter nutzen können. Die Behörde werde die Entwicklung des Marktes für Unternehmenssoftware und den Datenzugang deshalb weiterhin beobachten und mögliche Wettbewerbsprobleme bei Bedarf erneut kartellrechtlich prüfen.
28. Juli 2026
Teag bricht mit dem klassischen SAP-Projektmodel
Die Thüringer Energie AG (Teag) startet die Einführung von SAP S/4HANA Utilities für Verteilnetzbetreiber und grundzuständige Messstellenbetreiber (VNB/gMSB) – und wählt dabei einen Ansatz, der von klassischen IT-Transformationsprojekten abweicht. Statt auf einer leeren Systemlandschaft zu beginnen, soll dem Fachbereich bereits zum Projektstart eine vorkonfigurierte SAP-Umgebung zur Verfügung stehen.
Eingebunden sind dabei die MaCo Cloud für die Marktkommunikation sowie eine Messkonzeptverwaltung (MKV). So soll der Fachbereich vom ersten Tag an in einer realitätsnahen Umgebung arbeiten und Prozesse schrittweise anpassen können.
Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit Cerebricks, einem IT-Beratungsunternehmen mit Sitz in Muldestausee (Sachsen-Anhalt). "Anders als bei klassischen Transformationsprojekten beginnt die fachliche Arbeit nicht auf einer leeren Systemlandschaft", sagt Philipp Lübke, CIO und Geschäftsbereichsleiter der Teag. Die Ausweitung der Zusammenarbeit sei für den Versorger "ein konsequenter nächster Schritt".
Für kommunale Netzbetreiber und Messstellenbetreiber, die selbst vor einer S/4HANA-Migration stehen, könnte der Ansatz als Referenz interessant sein: Vorkonfigurierte Systeme auf Basis von Branchenstandards sollen Projektlaufzeiten verkürzen und den Fachbereichen früher handlungsfähige Umgebungen liefern.