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Innogy: Mit mehreren Baustellen in die Zwangsehe mit Eon

Innogy kämpft aktuell an mehreren Fronten. Der Vertrieb schwächelt, der Ausblick für das Erneuerbare-Geschäft muss nach unten korrigiert werden.
13.11.2018

Nach der Fusion soll der Großteil der rund 40 000 Innogy-Mitarbeiter zu Eon wechseln.

Die Vorbereitungen zur Abspaltung des Erneuerbaren-Geschäfts an RWE und die Fusion mit Eon laufen auf Hochtouren, doch für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres meldet Innogy Probleme mit dem operativen Geschäft. Ein deutlich niedrigeres Windaufkommen belastete insbesondere in Großbritannien und Deutschland im zweiten und auch im dritten Quartal das Ergebnis im Geschäft mit erneuerbaren Energien. Dies konnte durch höhere Preise sowie Ergebnisbeiträge aus neuen Anlagen nicht kompensiert werden. Das Netzgeschäft litt unter neuen Regulierungsvorgaben für Gas in Deutschland.

Und auch das Vertriebsgeschäft schwächelte. Hier belasteten unter anderem höhere Rohstoffkosten infolge einer kalten Witterung in den Niederlanden aus dem ersten Quartal. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank daher binnen der ersten neun Monate um elf Prozent auf gut 1,9 Milliarden Euro. Der bereinigte Überschuss ging um mehr als ein Viertel auf 721 Mio. Euro zurück.

Abwärtstrend in Deutschland gestoppt

Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther beklagte in einer Telefonkonferenz zu geringen Niederschlag für die Laufwasserkraftwerke und vor allem zu wenig Wind für die Windparks in Großbritannien und Deutschland. "Es war an unseren Standorten ein außergewöhnlich schlechtes Windjahr – seit Mai lag die durchschnittliche Auslastung unserer Windkraftanlagen in jedem Monat signifikant unter dem langjährigen Mittel", sagte Günther. Den Ausblick für den Bereich der Erneuerbaren habe das Management entsprechend nach unten korrigiert.

Nicht neu sind für Innogy auch die Probleme im Vertrieb auf den verschiedenen europäischen Märkten. Der hohe Wettbewerbsdruck halte an, insbesondere in den Niederlanden und Belgien, aber auch in Deutschland. Deshalb sehe sich Innogy gezwungen, auch im Vertrieb die Erwartungen für 2018 "leicht nach unten zu korrigieren", sagte Günther weiter. In Deutschland habe Innogy seit Jahresbeginn per Saldo etwa 50.000 Verträge verloren, bei insgesamt 7,8 Mio. Kunden. Hier habe man den Abwärtstrend seit Mitte des zweiten Quartals jedoch stoppen können, so der Finanzvorstand.

Im Konzessionsgeschäft "sehr gut geschlagen"

Von ganz anderer Dimension sind die Probleme in Großbritannien. Hier ist der Kundenstamm seit Ende vergangenen Jahres um knapp 500.000 auf noch 4,3 Mio. geschrumpft. Das Retail-Geschäft in UK unterliegt seit jüngstem scharfen Restriktionen wie der Einführung einer Preisobergrenze. Die bereits abgesegnete Zusammenlegung des britischen Vertriebssegments mit dem Endkundengeschäft des britischen Konkurrenten SSE wird deshalb neu verhandelt. Im dritten Quartal schrieb Innogy zudem wegen der schwachen Entwicklung im britischen Vertrieb 748 Mio. Euro auf die Tochter Npower ab. Bereits im vergangenen Jahr waren Wertberichtigungen in Höhe von 480 Mio. Euro angefallen.

Mit Blick auf die mögliche Auflösung von Konzessionsverträgen durch deutsche Kommunen infolge der bevorstehenden Innogy-Zerschlagung (Change-of-Control-Klausel) sagte Günther lediglich, es gebe "an der einen oder andern Stelle Gespräche". Insgesamt sei das Jahr 2018 aber im Konzessionsgeschäft zufriedenstellend gelaufen. "Wir haben uns sehr gut geschlagen", sagte der Innogy-Finanzchef. Voraussichtlich werde man erstmals die Nettozahl der versorgten Einwohner konstant halten können. "Wir kommen ja aus Monopolstrukturen", so Günther.

Ausblick für 2018 auf Konzernebene bestätigt

Für das Gesamtjahr 2018 hat Innogy den Ausblick auf Konzernebene bestätigt. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll rund 2,7 Milliarden Euro und der bereinigte Nettogewinn über 1,1 Milliarden Euro erreichen, was einem leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr entspricht. (hil)