Gas

Braucht Konstanz eine zweite Gasleitung? Stadtwerke gehen in Offensive

Um die Versorgungssicherheit zu garantieren, planen die Stadtwerke Konstanz eine zweite Gas-Pipeline. Klimaschützer kritisieren das scharf. Ein Gutachten aber stärkt nun die Position des Kommunalunternehmens.
23.11.2021

Für längere Kälteperioden garantiere das jetzige Gasnetz keine Versorgungssicherheit, schreiben die Autoren.

Benötigt Konstanz eine zweite Gasleitung oder nicht? Diese Frage löste im Frühjahr in der Bodenseestadt eine große Debatte aus.

Insbesondere die Klimaschutzbewegung Fridays for Future und das Bündnis "Konstanz Klimapositiv 2030" machten gegen eine zweite Gasleitung mobil. In der Folge ließen die Stadtwerke den Sinn einer neuen Pipeline, die etwa 20 Millionen euro kosten würde, in einem Gutachten prüfen.

Versorgungssicherheit gefährdet

Jetzt liegt der Bericht vor. Er wurde von der Münchner Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft erstellt und hält fest, dass aktuell die Versorgungssicherheit mit Gas im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Konstanz nicht gewährleistet sei.

Auch nach Einsatz bestehender Anlagen wie Gasspeicher oder Flüssiggas-Luftmischanlagen sei dies nicht möglich, bilanzieren die Autoren. Selbst wenn ein ambitionierter Klimaschutzplan befolgt würde, sei die Versorgungssicherheit 2025 und wohl sogar 2030 weiterhin gefährdet, bilanzieren die Autoren.

Zwei Optionen

Die Gutachter nennen zwei Optionen, um die Versorgungssicherheit auch künftig zu garantieren: den Bau einer zweiten Erdgasleitung, wie er von den Stadtwerken bereits angedacht war, oder die Errichtung einer Flüssigerdgasanlage mit einer Leistung von 90 bis 100 MW.

Aktuell erhalten die Stadtwerke Konstanz ihr Gas vom baden-württembergischen Ferngasleitungsbetreiber Terranets BW. Die zugesicherte technische Leistung liegt derzeit bei 306 MW und damit deutlich unter dem Niveau, das eine sichere Gasversorgung auch über eine längere Kälteperiode garantieren würde. Laut Gutachter besteht aktuell eine Deckungslücke von etwa 100 MW.

Wärmebedarf: Zwei Drittel über Erdgas

Selbst im sogenannten Klimaschutzszenario bleibt der Bedarf noch 2030 oberhalb der gesicherten Leistung. Dabei wurde stets angenommen, dass bis 2030 keine neuen Gaskunden dazukommen würden

Nach eigenen Angaben werden zwei Drittel des Wärmebedarfs in Konstanz derzeit über Erdgas gedeckt und etwa ein Viertel über Heizöl. Der Rest ergibt sich aus sonstigen Quellen.

Leitungsoption "technisch besonders verlässlich"

Als Favorit gilt weiterhin der Bau einer zweiten Erdgasleitung von der Ostschweiz nach Konstanz. Auch im Gutachten wird die Option als "technisch besonders verlässlich" bezeichnet. Die Pipeline mit einer Lebensdauer von mindestens 40 Jahren soll auch wasserstofffähig sein.

Diesen Mittwoch diskutieren verschiedene Interessensgruppen aus der Gesellschaft das Gutachten auf einer moderierten Podiumsdiskussion. Entscheiden wird am Ende der Aufsichtsrat der Stadtwerke. (aba)